Jahrelang das Gesicht des Gegners

Siedelsbrunn/Wald-Michelbach. Die neue HSG Siedelsbrunn/Wald-Michelbach ist mit fünf Siegen optimal in die Runde gestartet und führt die Tabelle der Frauenhandball-Bezirksoberliga zusammen mit der TGB Darmstadt an. Wir fragten die neue HSG-Trainerin Katarzyna Feldmann nach ihren Eindrücken nach viereinhalb Monaten im Überwald.

Frau Feldmann, wie fällt Ihr erstes Fazit aus?

Katarzyna Feldmann: Ich bin mit dem Start zufrieden. Wir sind aktuell ein stolzer Tabellenführer, mit dem eigentlich keiner gerechnet hat. Natürlich läuft einiges noch nicht rund, aber die zehn Punkte beflügeln und motivieren für die nächsten Begegnungen. Meine Mannschaft ist zwar vom perfekten Handball aktuell weit entfernt, aber sie glaubt an sich und kämpft 60 Minuten lang. Das sind sehr gute Voraussetzungen, um mit Gegnern wie Darmstadt, Zwingenberg und Weiterstadt mithalten zu können.

Der Wechsel nach vielen Jahren in Fürth zur HSG war ja nicht ganz einfach, im letzten Jahr spielten Sie noch gegen Siedelsbrunn. Wie sind Sie im Überwald aufgenommen worden, gab es irgendwelche Vorbehalte?

Feldmann: Ja, ich glaube, es gab einige überraschte Gesichter, als die Zeitung davon zum ersten Mal berichtete. Viele Personen schrieben mich deswegen extra an, weil sie es nicht geglaubt hatten. Aber es waren alles positive Meldungen – viele wünschten mir viel Erfolg und Spaß in der neuen Aufgabe als Trainerin. Aber auch im Überwald wurde ich sehr positiv aufgenommen, zwar am Anfang noch mit ein wenig Distanz, da mein Gesicht jahrelang zum Gegner gehörte, aber es wird immer herzlicher, offener und heimischer.

Zurück zum sportlichen Teil: Ihre Trainings- und Spielauffassung unterscheidet sich doch deutlich von denen Ihres Vorgängers Jozef Skandik. In wie weit kann die Mannschaft Ihre Ideen schon umsetzen?

Feldmann: Ja, ich habe eine ganz andere Spielphilosophie. Es fängt mit der offensiven Abwehr an und endet mit der individuellen Leistungsfähigkeit der Spielerinnen. Wir sind erst ganz am Anfang unserer Arbeit, denn mit drei Stunden Training in der Woche kann man in so kurzer Zeit noch nicht viel bewegt haben. Die neu eingeführte Abwehr wird immer besser, die Abläufe klarer – wir nehmen jedes Spiel auf, analysieren es gemeinsam und klären offene Fragen. Im Angriff brauchen wir noch Zeit, wir müssen verstärkt an den Basics arbeiten, um überhaupt auf die nächsten Schritte einzugehen. Die Mädels sollen das Handballspiel verstehen und nicht vorprogrammierte Spielzüge abspielen. Dies alles braucht viel Zeit, vielleicht eine komplette Runde. Das ist aber in Ordnung, denn wir wollen langfristig Erfolg haben.

Wo sehen Sie momentan die Stärken ihrer Mannschaft?

Feldmann: Klar in der Abwehr. Vor allem weil die 3:2:1-Abwehr gut zu den Mädels passt, sie fühlen sich wohl mit der offensiven Deckung. Neben der soliden Abwehrleistung – aktuell die stärkste in der Liga – möchte ich den Kampfgeist hervorheben. Denn egal wie viele Fehler sie auf dem Feld produzieren – und es sind aktuell nicht gerade wenige – sie geben sich nie auf.

Und wo sehen Sie noch den größten Verbesserungsbedarf?

Feldmann: Chancenauswertung und Reduzierung der technischen Fehler. Wenn wir in den nächsten Monaten das gut in den Griff bekommen, dann sind wir auf einem guten Weg, um oben mithalten zu können.

Was erwarten Sie sich von dem weiteren Verlauf der Runde?

Feldmann: Ich wünsche mir, dass alle Mädels fit bleiben und weiterhin so fleißig und vor allem gerne ins Training kommen. Das ist die wichtigste Grundvoraussetzung für jeden Trainer und jeden Erfolg der Mannschaft. th